GEW: "Anreize für Lehramtsstudium schaffen statt Eingangsgehälter absenken!"

Kreisverband ehrt langjährige Mitglieder - Kritik an kurzsichtiger Einstellpolitik

Beim inzwischen schon traditionellen Jahresabschlussessen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Aschaffenburg-Miltenberg hat Vorsitzender Reinhard Frankl langjährige Mitglieder des Kreisverbandes für ihre „runde“ Mitgliedschaft in einer DGB-Gewerkschaft geehrt.

Zusammen mit dem DGB-Regionsvorsitzenden Gert Söhnlein bedankte sich Frankl bei dem Studienrat Edgar Günther, Mainaschaff, (25 Jahre), der Lehrerin Brigitte Rauch, Goldbach, (40 Jahre) und dem Konrektor i.R. Sebastian Schönauer, Rothenbuch, (40 Jahre) für die vielen Jahre treuer und auch aktiver Mitgliedschaft. Die "Jubilarin des Abends" war allerdings Erika Schiller mit 50 Jahren Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Die Kollegin war Anfang der Neunziger Jahre nach Aschaffenburg gezogen und hatte bis zum Eintritt in den Ruhestand als Pädagogin in der Tagesstätte der Fröbel-Schule gewirkt.

Frankl erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass nicht nur die KollegInnen in der GEW älter würden. So habe der Anteil von LehrerInnen über 54 Jahren an allgemeinbildenden Schulen in Bayern 1996 – damals noch gefühlt hoch - bei 13,2 Prozent gelegen, sei bis zum Jahre 2008 aber auf mehr als das Doppelte, nämlich 27,5 Prozent angestiegen, bundesweit sogar auf über 30 Prozent. „Eine Folge kurzsichtiger Einstellpolitik in den Kultusministerien der Länder“, wie Frankl mit Blick auf die vielen jungen Lehrkräfte meinte, die Jahr um Jahr zwar teuer ausgebildet, aber nicht eingestellt wurden und werden. Bei der alltäglichen Bildungs- und Erziehungsarbeit allerdings fehlten sie. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 und mehr Jahre bringe keine Lösung, sondern verschärfe nur die Problematik zu Lasten der Beschäftigten wie der Kinder und Jugendlichen.

Natürlich habe die so entstandene Überalterung der Kollegien weder die Einführung moderner Methoden beschleunigt noch die steigende individuelle Belastung gerade der älteren KollegInnen verhindert. Nun drohe aber der immer höher kumulierte Nachholbedarf an auszubildenden PädagogInnen regelrecht zu explodieren. Bildungsforscher Klaus Klemm hat errechnet, dass zwischen 2007 und 2020 rund 460.000 Lehrer in Pension gehen, also rund 33.000 pro Jahr. Im Jahresschnitt stünden dem nur 26.000 fertig ausgebildete Junglehrer gegenüber. Selbst wenn diese Lücke überraschenderweise geschlossen werden könne, sei noch keine einzige Lehrkraft eingestellt, um die Rahmenbedingungen in den Schulen in die Richtung zu verbessern, wie sie z.B. durch „PISA-Sieger“ Finnland gewiesen werde. Deshalb müssten statt der Absenkung von Eingangsgehältern dringend Anreize geschaffen werden, dass junge Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen.

Und wenn im Kita-Bereich der Anteil der unter 3-Jährigen von 20 Prozent im Jahre 2008 auf 35 Prozent im Jahre 2013 steigen soll, sei nach Berechnungen der Bildungsforscherin Cornelia Heintze absehbar, dass noch 275.000 Plätze und damit Zigtausende von ErzieherInnen fehlten. Danach würde die Nachfrage aufgrund des Rechtsanspruchs weiter steigen.

Für den GEW-Kreisvorsitzenden ist klar: "Mit 'Sparpaketen' und 'Schuldenbremse' ist die öffentliche Aufgabe einer guten Bildung für alle nicht zu schaffen." Deshalb habe die GEW auch ein Steuerkonzept vorgelegt, das durch Verbesserung der Einnahmeseite ermögliche, tatsächlich den Zielanteil von sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts für öffentliche Bildung zu erreichen und die nötigen 40 bis 50 Milliarden jährlich zusätzlich bereit zu stellen.

Leicht gekürzt erschienen im MAIN-ECHO am 24.12.2010