Für uns geschriebenEine Buchbesprechung von Reinhard Frankl.Roth, Rainer: |
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Bildung braucht Geld - kein Verzicht zugunsten von Profitraten!" - so hieß das Thema unserer Mitgliederversammlung im Juni 1998. Referent: Rainer Roth, Professor für Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Frankfurt/M., fachlicher Schwerpunkt Armut und Sozialhilfe". Was mich an diesem ersten Zusammentreffen mit dem GEW-Kollegen besonders beeindruckte, war, welche Motivation und Überzeugungskraft herüberkommen", wenn fachliche Kompetenz mit didaktischer Fähigkeit, lockerem Stil und eine klare (gewerkschafts-) politische Linie zusammentreffen. Rainer Roths Vortrag konnte die Schwaden der Nebelkerzen wie einen Vorhang beiseite schieben und die Versuche, die Bildungsgewerkschaft auf die Fährte des neoliberalen Spar- und Schlankheitskurses zu locken, klar als solche erkennbar machen und zurückweisen.
Diesen tiefen ersten Eindruck und die gleiche klärende Wirkung fand ich in seinem Buch Das Kartenhaus" bestätigt, das einige Monate später erschien, etwa zur selben Zeit, zu der auch der Sachverständigenrat Bildung der Hans-Böckler-Stiftung sein Diskussionspapier mit den inzwischen bekannten und von der bayerischen GEW zurückgewiesenen Empfehlungen zur individuellen" Bildungsfinanzierung vorlegte. In diesem Buch stehen nicht unsere der politischen Klasse und ihrer Lobby in jahrzehntelangen harten Kämpfen abgetrotzten sozialen Errungenschaften, darunter die öffentliche Bildungsfinanzierung, auf dem Prüfstand, sondern - im Gegensatz zu jenem Diskussionspapier - das Tabu der Profitlogik. Dieses Buch bringt auf über 400 Seiten genau die schonungslose Analyse, die wir in den letzten Jahren in der Diskussion um Zukunft und Perspektiven unserer Gewerkschaft gefordert haben.
Rainer Roth bleibt nicht bei den in mühsamer statistisch untermauerter Recherche herausgearbeiteten Ursachen der Staatsverschuldung stehen, denen er sich von den verschiedensten fein differenzierten Kausalitäten aus nähert (Logik des Kapitals als Ursache, Logik des Geldkapitals als Ursache, Privatinteresse im Staatsapparat als Ursache, Globalisierung als Ursache). Nein, in dem für mich entscheidenden Schlusskapitel, dem Ausblick, greift er die gängigen Lösungen" des Problems Staatsverschuldung auf und stellt ihnen das Allgemeininteresse sprich das Interesse der Lohnabhängigen gegenüber. Er kommt unter anderem zu dem Schluss: Sie (die Staatsverschuldung) wäre dann nicht mehr notwendig, wenn zwischen der produktiven Betätigung der Menschen und ihrer Beschäftigung nicht die einzelbetriebliche Rentabilität stehen würde, sondern das gesellschaftliche Bedürfnis, das aus einem gesamtgesellschaftlichen Überschuß abgedeckt wird. ... Sie wäre dann nicht mehr notwendig, wenn die Interessen der LohnarbeiterInnen sich als Allgemeininteresse durchsetzen könnten."
Das weitführende Literaturverzeichnis ist von einer solchen wissenschaftlichen Arbeit natürlich zu erwarten gewesen, das ausführliche Stichwortverzeichnis hingegen ist ein praktisches Gimmick", das das Buch zur handwerklichen Arbeitsgrundlage für politisch agierende und argumentierende Menschen macht.
Rainer Roth schreibt im Vorwort selbst, dass diese Analyse noch nicht völlig ausgereift ist und zeigt sich offen für Anregungen, um sie in gewissen Zeitabständen zu aktualiseren, was allein schon der durchgängige Bezug auf ein umfangreiches statistisches Zahlenwerk nahelegt.
Wir konnten in seinem auf Auszügen des Buches aufgebauten Referat Bildungsfinanzierung. Die Vorschläge des Sachverständigenrats" auf der unterfränkischen Bezirksdelegiertenkonferenz am 20. Februar 1999 in Würzburg hören und sehen, wie aus dieser Analyse praktische Möglichkeiten abzuleiten sind, mit Problemlösungen umzugehen, die das Problem noch verschlimmern, das sie angeblich lösen wollen. Sein Referat ist auf dieser Website nachzulesen, das wesentlich weiter greifende ganze Buch im Buchhandel zu haben.